Wer Wir sind

Wir sind Danielle Turkov Wilson, Uwe Praetel und Grigorij Richters, die drei Initiatoren von #WirSindDieKinder. Wir haben uns 2018 getroffen, als Grigorij von Paris nach Berlin zu Fuß ging, um auf die Schicksale von knapp 1.000 Kindern aufmerksam zu machen, die sich zur Zeit in europäischen Flüchtlingslagern befinden. Das Schicksal hat uns zusammengebracht. Wir setzen uns für Kinder ein, die aus armen Ländern nach Europa kommen und hilflos dem System ausgeliefert sind. Wir sind fest davon überzeugt, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung und Freiheit hat.

Majid and die vergessenen Kinder

Im Sommer 2018 lernte Grigorij Majid Sharifi kennen, ein 17 Jahre alter Afghane der im Iran aufgewachsen ist. Er floh vor ein paar Jahren aus Syrien nach Europa, um mit seinem älteren Bruder Sayed zusammen zu leben. Sayed hat Asyl in Deutschland erhalten. Majids Situation ist sehr kompliziert. Sayed ist seine einzige Familie, und dank der deutschen Bürokratie ist es derzeit fast unmöglich, dass Majid jemals mit seinem Bruder zusammengeführt werden kann.

Grigorij und eine Gruppe von Freiwilligen hat versucht Majid zu helfen, aber bisher ohne Erfolg. Seine Situation verschlimmert sich fast täglich. So ergeht es auch den anderen elternlosen Kinder, die derzeit in dem griechischen Flüchtlingslager Camp Moria feststecken. Die BBC nennt es sogar “das schlimmste Flüchtlingslager der Welt”. Wie auch viele der anderen Kinder, ist Majid stark traumatisiert. Zurzeit lebt er auf den Straßen von Athen. Ohne Hoffnung. Das System hat ihn aufgegeben. In ein paar Monaten wird er 18 Jahre alt, und wenn er dann erwischt wird, wird er direkt abgeschoben. Bereits dreimal hat er versucht sich das Leben zu nehmen.

Ich Marschiere für Dich

Grigorij war sehr frustriert und entschied sich etwas zu tun, um auf das Schicksal von Majid und den anderen Kindern aufmerksam zu machen. Eine Geschichte, die ihn auch sehr erschütterte, war die von einem acht Jahre alten Mädchen. Sie wurde aufgefordert sexuelle Dinge zu tun, um etwas Wasser und Lebensmittel zu erhalten. Die Kinder haben kein Recht auf Bildung, und wenn es keine Lebensmittel in dem Camp gibt, dann müssen Sie hungern.

Grigorij startete die Kampagne “Ich Marschiere für Dich”. Er wollte von Paris nach Berlin zu Fuß zu gehen. Er suchte sich eine Route aus, die ihn durch Brüssel und Köln führte. Sein Ziel war es, dass EU Politiker ihm zuhören und handeln, um die Kinder zu retten.

Er veröffentlichte eine Petition auf der Plattform change.org, und ein Bulli-Händler in Berlin stellte ihm einen 40 Jahre alten VW Bus T2b zur Verfügung. Der Bulli wurde zu seiner “Petition auf Rädern”. Er wusste, dass er auf seine Kampagne aufmerksam machen musste, und der Bulli war unübersehbar. Das französische Graffiti-Team THEO bereitete den Bulli kunstvoll auf, und rund 5.000 Menschen verewigten sich auf dem Fahrzeug, um ihre Solidarität mit den Kindern zu zeigen. Als Grigorij in Brüssel vorbeikam, traf er Danielle. Sie kannten sich bereits per Facebook. Sie wollte seine Aktion unterstützen und nutzte ihr Netzwerk, um innerhalb der EU für seine Aktion zu werben. Sie beriet ihn während seiner Reise.

Vier deutsche Städte erklären sich bereit die Kinder aufzunehmen

Grigorij kam an 19 deutschen Städten vorbei. Sein erster Stopp war Aachen. Dort traf er Bürgermeisterin Hilde Scheidt. Sie erzählte ihm von einem Brief, den die Städte Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf vor einigen Monaten an Angela Merkel geschickt hatten. In diesem “Städtebrief” erklärten sich die Städte bereit, noch weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Der Brief wurde von der Bundesregierung nie beantwortet. Sie erklärte ihm dann, dass die Städte in der Lage wären, die knapp 1.000 Kinder innerhalb dieses Kontingents aufzunehmen. Als Grigorij die Ober/Bürgermeister/innen und Offizielle der anderen drei Städte traf, bestätigten sie ihm dies. Zu diesem Zeitpunkt wusste Grigorij, dass es tatsächlich einen Weg gibt, die Kinder zu retten, und ihnen die Möglichkeit auf eine “normale” Zukunft zu geben. Auf seiner Reise traf er insgesamt 15 Ober/Bürgermeister/innen. Einige andere Städte erklärten sich bereit, ein paar der Kinder aufzunehmen. Aber die Städte können nicht einfach nach Griechenland fahren um die Kinder einzusammeln. Der Beschluss muss von der Bundesregierung kommen.

Frustration in Berlin

Nachdem er die Unterstützung vieler Städte erhielt, schrieb er alle Bundestagsabgeordnete an und bat um ein Treffen. 29 Bundestagsabgeordnete erklärten sich bereit ihn zu treffen. 27 der Bundestagsabgeordneten erklärten sich bereit seine Initiative zu unterstützen. Darunter auch Gregor Gysi und der Menschenrechtsausschuss vom Bundestag.

Es wurde schnell klar, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer der Politiker war, den es galt zu überzeugen. Grigorij und mehrere Bundestagsabgeordnete schrieben Briefe an Herrn Seehofer, die alle unbeantwortet blieben. Staatsminister für Europa Michael Roth übergab ihm sogar persönlich einen Brief von Grigorij nach der Kabinettssitzung. Auch dieser blieb unbeantwortet.

Europa Parlament

Grigorijs Marsch endete am 9. Dezember 2018. Das neue Jahr begann sehr langsam. Es gab keinerlei Neuigkeiten. Politik in Berlin scheint komplizierter denn je. Grigorij versuchte den VW Bus per Ebay zu verkaufen. Ohne Erfolg. Danielle hat über Jahre mit dem Europa Parlament gearbeitet. Sie setzt sich vor allem für die Rechte der Kinder ein. Sie organisierte ein Event am 20. März im Europa Parlament mit dem italienischen MEP Brando Benifei. Wir haben eine der führenden Anwaltsfirmen DLA Piper damit beauftragt, die Rechtslage zu prüfen. Die Resultate können hier eingesehen werden (nur auf Englisch).